06_Militaer

  • Der Umgang mit der Uniform wird lockerer, Abtreten im
    Sommerlager, Stamm Korinth, Abteilung Hutten, 1975.

    Die Pfadiuniform

    Die Uniform wählte BiPi nach Vorbild des britischen Militärs in Südafrika. Er übernahm jedoch nur das strapazierfähige Hemd, den Hut und das Halstuch. Die einheitliche Bekleidung sollte zudem soziale Unterschiede überdecken. Die meisten Schweizer Abteilungen verfügten früh über einen Fonds, um Kindern aus ärmeren Familien die Uniform zu finanzieren. Bis zur Fusion des Mädchen- und des Bubenverbands 1987 hatte sich diese Uniform offiziell kaum verändert. Nur die kurzen Hosen und der Rock wurden durch lange Hosen ersetzt bzw. ergänzt. Die Pfadis mit Komplett-Uniform verschwanden aber mit der Zeit praktisch. Heute trägt man oft Hemd, Halstuch oder sogar nur einen Pfadipulli. Mit der Fusion wurden die Hemdfarben vereinheitlicht: Das Wölflihemd ist heute türkis, jenes der Pfadi kaki, die Pios tragen rot und die Rover und Leiter grün.

  • Die Pfadiuniform schaffte es sogar in die Kunst: Rudolf Mülli, «Bildnis eines Pfadfinders», 1942, Öl auf Leinwand, Museum zu Allerheiligen Schaffhausen.
  • Bei Kriegsausbruch meldeten sich viele Pfadfinderinnen
    zum Dienst beim Roten Kreuz in den Militärsanitätsanstalten.
    Sie gehörten zu den ersten weiblichen Angehörigen der
    Schweizer Armee. Samariterkurs, Abteilung Manegg, 1940.

    Das Bundeslager 1938 in Zürich

    Dem Zeitgeist entsprechend, setzte ab 1935 auch in der Schweizer Pfadi eine zunehmende Militarisierung ein. Dabei nahmen die Zürcher Pfadfinder eine Vorreiterrolle ein. Höhepunkt dieser Entwicklung war das Bundeslager 1938 auf dem Adlisberg in Zürich. Mit sportlichen Wettkämpfen und Massendemonstrationen galt es zu beweisen, dass man einen guten schweizerischen Staatsbürger heranzuziehen vermochte. Am Nationalfeiertag zogen gegen 7000 Lagerteilnehmer in einem Defilee durch die Bahnhofstrasse, vorbei an Persönlichkei- ten aus Politik und Armee.

  • Ehrengarde vor dem Rathaus anlässlich des Besuchs von General Guisan an der Landesaustellung in Zürich,
    Abteilung Flamberg, 1939.
  • Kranzniederlegung beim Wehrmännerdenkmal auf der Forch,
    3. Bundeslager des Schweizerischen Pfadfinderbundes, 1938.
  • Der Zug Hunnen am Defilee auf der Bahnhofstrasse anlässlich der Landsgemeinde des Kantonalverbandes der Zürcher Pfadfinder, Abteilung Landenberg, 1941.

    Äussere Formen

    Bis in die 1950er-Jahre existierten Reglemente über die «äusseren Formen». Darin wurde festgelegt, wer wen wie zu grüssen hatte, in welcher Hand der Stock beim Marschieren zu halten war, mit welchem Kommando man eine Pfadigruppe zu besammeln hatte und vieles mehr. Damals entsprachen sie den Anforderungen an eine gut organisierte Gruppe, heute scheinen diese Reglemente übertrieben militärisch. In der Distanzierung von ihren militärischen Wurzeln geht die Pfadibewegung Schweiz heute so weit, dass in offiziellen Dokumenten sogar gängige Begriffe nicht mehr verwendet wer- den. So wird der Pfadiführer zum Pfadileiter, die Pfadiuniform zur Pfadibekleidung und die Übung zum Samstagnachmittagsprogramm.

  • Eine damals noch unbedenkliche Geste?, Wölfe der Abteilung Sempach, 1935.
  • Aus den Militär-Zeltblachen entstehen fantasievolle
    Lagerwelten, zum Beispiel dieser «Dinosani», eine
    Kreuzung aus einem «Sarasani» genannten grossen
    Blachenzelt und einem Dinosaurier. Bundeslager, 1994.

    Jugend und Sport

    Einen militärischen Vorunterricht gab es in der Schweiz seit 1909. Er bestand aus turneri- schen und militärischen Tätigkeiten, die von verschiedenen Vereinen angeboten wurden. Die Pfadis anerkannten zwar seine Wichtigkeit, lehnten aber den rein turnerischen Vorunter- richt genau so ab wie die «Soldatenspiele» der Kadetten. Charakterbildung war ihnen eben- so wichtig wie körperliche Leistung. 1940 scheiterte die Einführung des obligatorischen militärischen Vorunterrichts überraschend an der Urne. Die Zürcher Pfadfinder Arthur Thalmann und Rudolf Farner nutzten diese Gelegenheit und initiierten ein neues Reglement, das stark auf die Pfadi zugeschnitten war. Die Teilnahme am Vorunterrichtsprogramm blieb weiterhin freiwillig. Wer sich daran beteiligen wollte, verpflichtete sich sportliche oder technische Aktivitäten durchzuführen und erhielt als Gegenleistung finanzielle und materielle Unterstützung. Die Pfadi trug massgeblich dazu bei, dass sich der militärische Vorunterricht zu dem entwickelte, was wir heute als «Ju- gend und Sport» (J+S) kennen. 1972 wurde der Vorunterricht durch J+S abgelöst. Damit konnten endlich auch die Pfadfinderinnen ihre Aktivitäten durch den Bund unterstützen lassen.