04_Phantasie

  • Der Klassiker: Leben wie ein Indianer, um 1930.

    RITTER GEGEN SPÄHER

    Das Motiv des Spähers war – anders als im kolonialen Grossbritannien – in der Schweiz eher ungewohnt. Deshalb gab es ab 1920 Versuche, helvetischere Vorbilder zu finden, etwa den Bergler oder den Ritter. Dies erklärt Zürcher Abteilungsnamen wie Walter tell, Attinghausen oder Manegg.
    Wie national oder international die Bewegung sein sollte, wurde in der Stadt Zürich intensiv diskutiert: Die Korps Stadt Zürich und Flamberg lehnten ab 1930 internationale Kontakte ab. Die Wolfsstufe war ihnen wegen «des fremdländischen Ideengehalts» des Dschungelbuchs suspekt. So gründete die Abteilung Patria statt einer Wolfsmeute einen «Knappenzug», die Abteilung Flamberg die «Jungflamberger».

  • Afrika-Look, Gruppenführerinnenkurs,
    Abteilung Manegg, 1926.
  • Parallel zur nationalen Besinnung ab Mitte der 1930er Jahre griff man zunehmend helvetische Motive auf, die auch später nichts an Aktualität einbüssten. Helvetier, Bundeslager, Domleschg, 1966.
  • Römer – Gallier, Panner-PfiLa, Korps Flamberg, um 1980.

    Vom Fährtenleser zum
    Drogenschmuggler

    Neben literarischen Vorlagen dienten oft auch aktuelle gesellschaftliche Ereignisse als Vorlage. Während des Zweiten Weltkriegs war es gang und gäbe, den russisch-finnischen Krieg nachzuspielen. Anlässlich des Ungarn-Aufstands 1956 retteten Glockenhof-Pfadis einen «ungarischen Flüchtling» vor einem «russischen Agenten». Und während dem Drogenelend am Zürcher Letten zog ein Flamberger Fähnli eifrig ein Drogenschmuggel-Spiel auf. Das geht nicht in jedem Fall gut. Als Pfadis im Katastrophen-Jahr 2001 mit Mehl gefüllte und mit «Danger Milzbrand» beschriftete Päckchen schmuggelten, zog dies einen Grosseinsatz der Zürcher Berufsfeuerwehr und Experten für biologische Stoffe nach sich.

  • Einträge im Gruppenbuch, Wölfe, Zug Korinth,
    Abteilung Glockenhof, 1944.
  • Info Sommerlager, Abteilung Sempach, 1964.
  • Info Sommerlager, Abteilung Sempach, 1964.
  • Floss mit Aufbau, SoLa, Abteilung Korinth, 1975.

    Freiräume zum
    Experimentieren

    Lager und Anlässe bieten auch Raum, um Leidenschaften einzubringen oder Talenten nachzuspüren: seiltanzen im Akrobatik-Workshop, als Reporter fürs Lagerradio unterwegs sein oder ein Theaterstück für den Familienabend schreiben. Nicht wenige haben auf diese Weise sogar ihre Berufung entdeckt. Beim Lagerbau sind der Fantasie, abgesehen von der statisch soliden Konstruktion, ebenfal ls kaum Grenzen gesetzt. In Bundes- oder Korpslagern, im Pfadi-Slang «BuLa» oder «KoLa», findet oft ein Wettstreit um das schönste Lagertor oder den höchsten Turm statt.

  • Leiterkurs, Korps Flamberg, um 1990.
  • Flaschenmusik, BuLa, Greyerzerland, 1980.
  • Korps-PfiLa, Korps Flamberg, 1989.
  • Samariterkurs, Wolfsführerinnen, Korps St. Georg, 1940.

    Eine Prise Verrückt

    Bei Veranstaltungen wie einem Seifenkistenrennen oder dem traditionellen Sempacher Siechemarsch, bei dem die Teilnehmer nachts zu Fuss den Zürichsee umrunden, ist auch immer etwas Verrücktheit im Spiel. Die gut vorbereiten Aktionen führen aber zu ungewöhnlichen und eindrücklichen Erlebnissen, die kein Pfadi vergessen wird.

  • Abseilen in der Innenstadt, Korps Flamberg, um 1990.